Als man mir die Diagnose mitteilte, blieb ich stark. Drei Wochen Infusionen, Fieber, Schlaflosigkeit, Erschöpfung. Am Anfang kam er jeden Tag zu Besuch – brachte mir Säfte, legte mir die Decke zurecht, streichelte meine Hand und sagte:
„Alles wird gut, Liebling. Halte durch.“

In der zweiten Woche kam er seltener. Sagte, es sei viel los auf der Arbeit, seine Mutter sei krank, der Empfang schlecht – deshalb schreibe er kaum. Ich glaubte ihm. Ich klammerte mich an jedes seiner Worte.
Dann sah ich zufällig eine Nachricht von einer fremden Frau:
„Danke für die Nacht. Du bist ganz anders, als deine Frau dich beschrieben hat 😉“
Mir blieb der Atem weg. Ich wischte mir die Tränen ab, setzte die Sauerstoffmaske auf – und tat so, als hätte ich nichts gesehen.
Ich beobachtete. Hörte zu. Und verstand.

Während ich um mein Leben kämpfte, amüsierte er sich. In ihrer Wohnung. In unserem Stammlokal. In einem Bett, in dem wir einst von der Zukunft träumten.
Als ich entlassen wurde, machte ich kein Drama. Ich lächelte, bedankte mich – und packte in derselben Nacht meine Sachen.

Auf dem Kissen ließ ich einen Zettel:
„Du warst mein Mann in Gesundheit. In der Krankheit warst du fort. Und ich möchte nicht bei jemandem bleiben, der nur die gesunde Version von mir liebt.“
