Ich arbeite seit mehreren Jahren auf dem Markt. Hier kennt jeder jeden – wer Gemüse verkauft, wer Fleisch, wer Brot. Und all die Zeit habe ich oft einen Jungen bemerkt. Er ist etwa sieben oder acht Jahre alt, schmächtig, trägt immer dieselbe alte Jacke, sogar im Sommer. Er hat nie etwas gekauft, stand nur an den Ständen und schaute… besonders auf das Obst. Sein Blick war so hungrig, dass mir das Herz schwer wurde.
Zuerst dachte ich, vielleicht sind seine Eltern arm, aber wenigstens ab und zu müssten sie etwas kaufen? Doch er ging immer mit leeren Händen weg. Heute beschloss ich, ihn anzusprechen.
– Hör mal, Kleiner, wie heißt du? – fragte ich.
Er wurde verlegen, senkte die Augen und antwortete kaum hörbar:
– Artjom.
Ich bot ihm einen Apfel an, und er griff so schnell danach, als hätte er Angst, ich könnte es mir anders überlegen. Dann fragte ich:
– Und wo sind deine Eltern?

Da fing er an zu weinen. Schluchzend erzählte er, dass seine Mutter vor zwei Jahren gestorben sei. Der Vater… der trinke und verschwinde oft tagelang. Es gebe kein Geld, nichts zu essen. Manchmal suche Artjom selbst etwas auf dem Müll, manchmal hätten Nachbarn Mitleid und gäben ihm ein Stück Brot.
Mir wurde angst und bange – ein kleiner Junge lebt praktisch allein, in Kälte und Hunger. Ich fragte, ob er mir sein Haus zeigen könne. Er nickte. Wir gingen – und ich sah eine halb zerfallene Hütte am Stadtrand, Fenster vernagelt, innen Schmutz und Leere.
Ich stand da und wusste nicht, was tun. Mitleid, Wut, Angst – alles mischte sich. Dieser Junge könnte einfach zugrunde gehen, wenn man ihn so lässt.
Jetzt überlege ich: Soll ich die Behörden einschalten oder versuchen, ihm selbst zu helfen – ihn zu füttern, Kleidung zu kaufen? Aber tief in mir weiß ich: Allein kann ich sein Schicksal nicht ändern, die Situation ist zu ernst.

Und ich kann seinen Blick nicht vergessen – hungrig, älter als seine Jahre, als hätte er das Leben schon längst verstanden.
