Als meine Mutter ernsthafte Gesundheitsprobleme bekam, brachte mein Vater mich ins Krankenhaus. Er sagte, ich solle mich von ihr verabschieden – denn vielleicht würde sie uns bald verlassen… und für sehr lange Zeit.
Damals war ich noch ein Kind und verstand nicht, wohin sie gehen sollte. Erst Jahre später erfuhr ich die Wahrheit – meine Mutter kämpfte gegen die gefährlichste Form von Krebs.
Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde und nach Hause kam, bemerkte ich, dass sie keine Haare mehr hatte. Sie war völlig kahl. Es war seltsam und ein bisschen beängstigend, sie so zu sehen.
Eines Tages konnte ich nicht mehr und fragte:
— Mama, wo sind deine Haare?
Sie lächelte, streichelte mir über den Kopf und sagte:
— Ich habe sie abgeschnitten, mein Sohn. Mir war einfach sehr heiß. Gefällt dir meine neue Frisur?
— Ja, — antwortete ich nach einer Pause, — aber du siehst jetzt aus wie Papa.
Damals wusste ich noch nicht, dass ihre Haare wegen der „Chemo“ ausgefallen waren – der Behandlung, die ihr Leben eine Zeit lang rettete.
Aber es war noch etwas anderes seltsam. Wenn Mama mich wieder zur Schule brachte, bemerkte ich, wie die Leute auf der Straße, im Bus, sogar meine Klassenkameraden, sie seltsam ansahen. Manche wandten sich ab, manche flüsterten, andere filmten sie sogar.
Ich verstand nicht, warum. Vielleicht mochten sie einfach ihre Frisur nicht.
Eines Tages gingen wir die Straße entlang, und ich sah, wie drei Mädchen stehen blieben und sie anstarrten, während sie tuschelten.
— Mama, — fragte ich, — warum schauen sie dich so komisch an?
Mama blieb stehen, sah mich an und erzählte mir zum ersten Mal die ganze Wahrheit. Über die Krankheit. Über den Schmerz. Über die Angst, mich nicht aufwachsen zu sehen. Und darüber, wohin ihre Haare wirklich verschwunden waren.
In diesem Moment veränderte sich meine Welt. Ich wusste, dass ich etwas tun musste, um Mama zu unterstützen. Und das, was ich tat, um sie zu retten, überraschte sie sehr 😢😱
Ein paar Monate lang ließ ich meine Haare wachsen. Die Klassenkameraden lachten, nannten mich ein Mädchen, aber ich achtete nicht darauf.
Als die Haare lang genug waren, nahm ich eine Haarschneidemaschine, stellte mich vor den Spiegel und rasierte meinen Kopf kahl.
Dann sammelte ich alle meine Haare in eine kleine Plastiktüte und brachte sie meiner Mutter.
— Hier, Mama, — sagte ich, — das sind meine Haare. Setz sie dir auf den Kopf.
Mama sah auf die Tüte, lachte zuerst und fing dann an zu weinen – vor Glück. Sie umarmte mich so fest, dass ich diese Umarmung nie vergessen werde.
— Du bist der Beste, — flüsterte sie.

Ein Jahr später war meine Mutter nicht mehr da. Die Krankheit war doch stärker.
Aber bis heute erinnere ich mich mit einem Lächeln an den Tag, an dem ich ihr meine Haare schenkte.


