Ich arbeite in einer Chemiefabrik, die fast am Waldrand liegt – nur zehn Minuten Fußweg bis zum Fluss. Oft gehe ich nach der Schicht auf diesem Weg nach Hause, entlang des Wassers.
An jenem Abend war es bewölkt, und ein leichter Nebel hing über dem Fluss. Ich wollte gerade zur Brücke abbiegen, als ich am Ufer etwas Seltsames bemerkte – ein Klumpen aus Erde, Gras und Fell.
Zuerst dachte ich, es sei Müll, doch plötzlich bewegte sich der Klumpen. Ich trat näher und sah, dass er atmete.
Ein kleines, völlig durchnässtes Wesen. Sein Fell war verfilzt, die Ohren hingen, die Augen halb geschlossen.
— Armer Welpe… — flüsterte ich.
Ich hob ihn vorsichtig auf, wickelte ihn in meine Jacke und eilte nach Hause. Dort füllte ich warmes Wasser in die Wanne, um ihn zu waschen. Als die Schmutzschicht abfloss, begriff ich, dass ich keinen Hund in den Händen hielt. 😱
Zuerst freute ich mich, endlich die Fellfarbe zu sehen – dichtes, graues Fell kam zum Vorschein. Doch je mehr ich wusch, desto stärker wurde das seltsame Gefühl in mir. Das Fell war zu grob, die Ohren zu spitz, die Pfoten zu groß – mit kräftigen Krallen.
Dann hob das Tier den Kopf. Bernsteinfarbene Augen leuchteten im Halbdunkel, und ein leises Knurren erklang.
Mein Herz rutschte in die Tiefe. Das war kein Welpe.
Ich wickelte ihn in ein Handtuch und rief meinen Tierarzt an. Als dieser das Tier sah, erstarrte er.
— Das ist kein Hund… — sagte er leise. — Das ist ein Wolfsjunges.
Ich war sprachlos. Ein echter Wolf. Er war schwach, aber er würde leben – seine Familie musste irgendwo in der Nähe sein.
Am nächsten Morgen brachte ich ihn zurück zum Fundort. Ich öffnete die Transportbox. Der kleine Wolf sah mich noch einmal an – und rannte in den Wald. 🌲



