Bei einem schweren Unfall auf der Landstraße bremste ein Lastwagen abrupt. Ein Auto mit einer hochschwangeren Frau im achten Monat prallte dagegen, weil die Fahrerin nicht mehr ausweichen konnte. Der Aufprall traf die Motorhaube, der Airbag öffnete sich und drückte die Frau in den Sitz.
Der Lkw-Fahrer blieb fast unverletzt und rannte sofort nach draußen. Er hörte ihren Schrei, sah ins Fahrzeuginnere und bemerkte, dass sie kaum atmen konnte, eine Hand auf dem Bauch, bleiches Gesicht, zitternde Finger. Der Sicherheitsgurt schnitt tief ein.

Er zog sie aus dem zerstörten Wagen und rief sofort den Notruf an. Die Leitstelle antwortete:
„Der Rettungswagen ist unterwegs, aber der Stau… mindestens dreißig Minuten.“
Die Frau stöhnte vor Schmerzen, rang nach Luft. Der Mann begriff, dass man nicht warten konnte. Er nahm die Frau auf die Arme und ging dem Rettungswagen entgegen, fast rennend. Endlich sah er die blinkenden Lichter. Er übergab die Frau den Sanitätern und schilderte, was geschehen war.
Er dachte, er hätte zwei Leben gerettet. Doch am nächsten Tag klopfte die Polizei an seine Tür.
„Sie stehen unter Verdacht, eine schwangere Frau entführt zu haben“, sagte der Beamte.

Der Mann war fassungslos. Bald erfuhr er den erschütternden Hintergrund: Der Ehemann der Frau war ein gewalttätiger Tyrann, der sie kontrollierte und misshandelte. Sie hatte versucht, vor ihm zu fliehen. Der Unfall vereitelte ihre Flucht. Als der Ehemann herausfand, wo sie war, stellte er eine Anzeige wegen „Entführung“, um die Aufmerksamkeit auf einen falschen Täter zu lenken und die Frau zurückzubekommen.

Der Lkw-Fahrer wurde schließlich freigelassen – erschöpft, mit geröteten Augen, aber endlich frei.
