🐺🌲 Eine alte Frau ging in den Wald, um Feuerholz zu sammeln, als sie plötzlich ein klägliches Fiepen hörte. Zwischen trockenen Ästen entdeckte sie einen kleinen Wolf, der sich verfangen hatte und nicht mehr herauskam. Die Frau hatte Angst, näher zu kommen, doch ihr Mitleid war stärker als ihre Furcht. Sie befreite das Tier – und wenige Sekunden später bemerkte sie, dass sie im Wald nicht allein war.

Maria lebte am Rand eines kleinen Dorfes und ging oft in den Wald, um trockene Äste zu sammeln.
An diesem Tag wollte sie gerade nach Hause gehen, als sie ein seltsames Geräusch hörte.
Die Frau blieb stehen.
Aus dem dichten Gebüsch kam ein leises Fiepen.
— Was ist da?
Maria ging vorsichtig näher und sah einen kleinen Wolf.
Er hatte sich zwischen trockenen Ästen verfangen. Je stärker er versuchte, sich zu befreien, desto mehr verhedderte er sich.
Die alte Frau bekam Angst.
— Mein Gott … Hoffentlich ist die Mutter nicht in der Nähe.
Einige Sekunden blieb sie auf Abstand stehen.
Der kleine Wolf fiepte erneut.
Maria sah sich um.
Niemand war zu sehen.
— Na gut. Halt durch, Kleiner.
Sie ging vorsichtig näher und begann, die Äste auseinanderzuziehen.
Der Wolf versuchte sich loszureißen, doch die Frau sprach leise mit ihm:
— Hab keine Angst. Ich werde dir nichts tun.
Nach einigen Minuten war auch die letzte Ranke von seiner Pfote gelöst.
Der kleine Wolf sprang sofort auf und lief ein Stück zurück.
Maria richtete sich auf und atmete erleichtert auf.
— Lauf zu deiner Mutter.
Doch plötzlich raschelte es laut hinter ihr im Laub.
Die Frau erstarrte.
Langsam drehte sie sich um.
Zwischen den Bäumen sah sie eine dunkle Gestalt.
Maria wusste sofort, wer es war.

Es war eine Wölfin.
Sie stand nur wenige Meter von der alten Frau entfernt und blickte sie direkt an.
Maria erstarrte.
Die Wölfin bewegte sich langsam vorwärts.
— Ganz ruhig … Ich wollte ihm nichts tun, — flüsterte die Frau.
Doch die Wölfin kam weiter auf sie zu.
Ihre Ohren waren angelegt, und das Fell auf ihrem Nacken hatte sich gesträubt.
Maria wich zurück.
— Mein Gott …
Die Wölfin machte noch einige Schritte.
Nun war nur noch sehr wenig Abstand zwischen ihnen.
Die alte Frau drehte sich um und rannte zu der kleinen Wachhütte, die ganz in der Nähe stand.
Hinter sich hörte sie schwere Schritte.
— Hoffentlich schaffe ich es …
Maria griff nach dem Türgriff und riss die Tür mit Mühe auf.
Im letzten Moment schaffte sie es, hineinzulaufen und die Tür zuzuschlagen.
Die Wölfin blieb direkt vor der Wachhütte stehen.
Sie ging mehrmals um die Hütte herum und schnüffelte dabei.
Maria lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür und atmete schwer.
Durch das kleine Fenster sah sie das Wolfsjunge.
Es stand bereits neben seiner Mutter.
Die Frau dachte, dass die Wölfin nun gehen würde.
Doch plötzlich blickte sie wieder direkt zur Wachhütte.
Und dann begann sie unerwartet, mit ihrer Pfote die Erde neben der Tür aufzukratzen.
Maria wich erschrocken zurück.
Erst eine Stunde später verließen die Wölfe das Gelände.
Da wurde ihr klar, dass es in der Wildnis keine menschlichen Gesetze gibt.

Manchmal kann die Güte eines Menschen für ihn selbst in einer Tragödie enden.
