Vor Kurzem besuchte ich die Werkstatt meines alten Freundes – eines Künstlers und Sammlers ungewöhnlicher Dinge. Er hat mich immer mit seinen Funden überrascht, aber dieses Mal stieß ich auf einen Gegenstand, der mich völlig ratlos machte.
Auf einem seiner Tische, zwischen Pinseln, Ölfarben und einigen Vintage-Rahmen, lag ein seltsames Metallobjekt. Auf den ersten Blick erinnerte es an eine Schere – mit Fingergriffen und etwas, das wie Klingen aussah.
Doch die Form war völlig ungewöhnlich: geschwungene, verzierte Griffe, ein massiver Körper, und anstelle scharfer Klingen – ein stumpfes, längliches Teil. Eine Seite war deutlich länger als die andere. Ich nahm es in die Hand und fragte verwirrt:
„Was ist das überhaupt? Eine Schere für Zwerge?“
Mein Freund lächelte und antwortete, ohne den Blick von seiner Leinwand zu heben:
„Das ist eine antike Dochtschere zum Kürzen von Kerzendochten.“
Ich konnte es kaum glauben. Früher, als Kerzen die Hauptlichtquelle waren, benutzten die Menschen solche Scheren, um den brennenden Docht zu kürzen.
Das half der Kerze, gleichmäßig zu brennen und nicht zu rußen. Im oberen Teil befindet sich eine spezielle „Falle“, in die das abgeschnittene Stück fiel, damit es nicht auf den Tisch oder Boden fiel.
Heutzutage sind solche Scheren selten. Sie werden nicht mehr hergestellt und sind nur noch auf Flohmärkten oder in alten Sammlungen zu finden.
Seitdem ist dieses seltsame Objekt für mich zu einem Symbol geworden – eine Erinnerung daran, wie selbst in alltäglichen Dingen der Vergangenheit unerwartete Schönheit und Eleganz verborgen sein können.



