Ein Dorf verwandelt sich in eine Hochzeitsgesellschaft – jeder ist gekommen, um das Glück des Brautpaares zu feiern. Gäste lachen, singen, stoßen an, und überall erklingt Musik.
Doch kaum jemand bemerkte, wie sich aus dem angrenzenden Wald eine Unbekannte in einem langen grünen Kleid langsam der fröhlichen Runde näherte. Ruhig ging sie, ihr Gesicht war gelassen – doch unter dem Saum ihres Kleides verbarg sie etwas.
Nur Bayrak nahm sie wahr.
Der alte, aber treue Hund des Bräutigams Freunds lag im Schatten unter einem Tisch. Er hatte den ganzen Vormittag seinem Herrn gedient, doch plötzlich erstarrte er. Seine Ohren richteten sich auf, der Schwanz zitterte, das Fell stand auf – Bayrak spürte Gefahr.
Die Fremde kam näher, war nur wenige Meter vom Brautpaar entfernt. In dem Moment rannte Bayrak los.
Er stürzte auf die Frau zu, bellte aufgeregt, biss sich in ihr Kleid und riss sie zu Boden. Die Gäste drehten sich erschrocken um, als sie bemerkten, was geschah. Doch erst als sie sahen, was sie unter ihrem Kleid verbarg, dämmerte ihnen der Grund – es war zu spät…
In der nächsten Sekunde ertönte eine Explosion.
Ein ohrenbetäubender Knall erschütterte die Umgebung. Die Menschen gerieten in Panik – einige schrien, andere fielen zu Boden.
Das Attentat geschah etwas abseits, am Waldrand – dorthin hatte Bayrak die Frau zurückgedrängt.
Die Unbekannte war eine Terroristin. Unter ihrem Kleid befand sich eine tödliche Sprengvorrichtung. Hätte sie die Feier erreicht, hätte sie viele mit in den Tod gerissen. Doch Bayrak griff ein.
Er schützte alle mit seinem Leben – und bezahlte den allerhöchsten Preis, indem er zusammen mit der Frau starb.
Am nächsten Tag wurde Bayrak unter der alten Dorf-Eiche beerdigt. Junge, Alte, Brautpaar, Nachbarn – alle kamen. Am Grab enthüllte man eine Tafel mit der Inschrift:
„Bayrak. Treuer Freund. Held.“



