Eines Tages stand ich tagsüber auf dem Seitenstreifen der Autobahn und beobachtete die Autos, während ich hoffte, endlich einen Verkehrssünder zu erwischen. Plötzlich sehe ich ein Fahrzeug, das nur 22 Meilen pro Stunde fährt. Ich greife zum Funkgerät, schalte die Sirenen ein und denke, dass etwas nicht stimmt.
Ich gehe zum Auto und sehe fünf ältere Damen mit weit aufgerissenen Augen.
— Officer, — sagt die Fahrerin, — ich bin genau mit der erlaubten Geschwindigkeit gefahren.
— Ma’am, Sie sind 22 Meilen pro Stunde gefahren, — sage ich ernst.
— Natürlich! — strahlt sie. — Auf dem Schild stand „22“!
Ich musste mir das Lachen verkneifen:
— Ma’am… das ist die Routennummer.
Ihre Wangen wurden rot. Ich wollte gerade gehen, da sah ich, dass die anderen Damen wie versteinert saßen.
— Sind sie… in Ordnung? — frage ich leise.
😵😲 Sie beugte sich zu mir und sagte etwas, woraufhin ich ihnen sofort befahl, auszusteigen und sie zur Wache brachte.
— Keine Sorge, Officer, — sagte sie völlig gelassen, als ginge es um eine Teepause, — sie kommen gleich wieder zu sich. Verstehen Sie… wir sind nur ein bisschen müde. Vor etwa zehn Minuten sind wir nämlich auf der Route 180 gefahren.
Dabei zwinkerte sie mir verschmitzt zu. Ich verschluckte mich fast vor Überraschung.
— Auf der Einhundertachtzig? — fragte ich, obwohl ich ahnte, dass mir die Antwort nicht gefallen würde.
— Na klar! Und wir haben auch ein bisschen geraucht — für den Mut. — Sie nickte fröhlich. — Unsere Freundin hat heute ihren neunzigsten Geburtstag. Und sie träumt schon lange davon, „wie ein Rennfahrer“ zu fahren. Also wollten wir ihr ihren Wunsch erfüllen. Und welche Straße eignet sich dafür besser… die Achtzig, wir dachten, dass das erlaubt wäre?
Ich erstarrte für einen Moment. In mir kämpften zwei Seiten: die, die lachen wollte, und die, die laut Dienstvorschrift Verstöße dokumentieren muss.
Leider gewann die zweite.
— Ma’am, — seufzte ich, — niedlich ist niedlich, aber Ordnung muss sein.
Ich musste alle Damen bitten, aus dem Auto auszusteigen, und ein Protokoll aufnehmen. Sie standen am Straßenrand, etwas verlegen, aber überraschend zufrieden — als wäre es Teil ihres abenteuerlichen Festtages.

Und ich dachte nur: „Na gut, wenigstens haben sie ihren Traum erfüllt… wenn auch unter Aufsicht der Polizei.“


