Ich hatte mein Handy verloren. Irgendwann nach der Arbeit, in der Hektik des Abends – Einkaufstaschen, Bus, Gespräche. Zu Hause merkte ich plötzlich: Es war weg.
Ich suchte überall – in der Tasche, im Mantel, sogar im Kühlschrank. Nichts.

Am meisten schmerzten die Erinnerungen: Fotos vom Geburtstag meiner Mutter, das Video, in dem meine Nichte zum ersten Mal „Tante“ sagt…
Ich beschloss, meine Nummer anzurufen. Vielleicht hatte jemand das Handy gefunden.
Das Freizeichen kam… einmal… zweimal… und dann:
— Hallo?
Ich erstarrte.
Es war meine Stimme. Ruhig. Kalt. Absolut eindeutig.
— Hallo? — stammelte ich. — Haben Sie mein Handy gefunden?
Ohne Zögern kam die Antwort:
— Keine Sorge. Du wirst es finden, wenn die Zeit reif ist. Aber heute… geh nicht den gewohnten Weg nach Hause.
Ich stand da, völlig überfordert.
— Wer sind Sie?
— Bieg bei der Apotheke links ab. Meide die Gasse. — Klick. Verbindung getrennt.
Meine Hände zitterten. Das konnte nur ein Scherz sein, oder? Und doch… die Stimme war zu perfekt. Zu vertraut.

Ich stand vor dem Haus, Schlüssel in der Hand.
Die Gasse war kürzer. Immer war ich so gegangen. Aber diesmal… ging ich außen herum.
Als ich fast da war, hörte ich Sirenen. Blaulicht.
In der Gasse, die ich vermeiden sollte, lag ein Mann am Boden. Polizei und Krankenwagen waren schon da. Später erfuhr ich: Überfall. Schwere Kopfverletzung.
Mein Handy blieb verschwunden. Auch die SIM-Karte wurde nie gefunden.
Aber seitdem… höre ich jedes Freizeichen genau hin. Man weiß nie, wer am anderen Ende der Leitung antwortet.
