Eva spürte ihren Körper kaum noch. Er schien fremd und viel zu schwer. Sechs Monate Krankenhauswände, Infusionen und Schmerzen hatten ihre Wirkung gezeigt. Sie hatte stark abgenommen, ihre Haut war blass geworden, ihre Stimme fast vollständig verschwunden. Manchmal gelang es ihr nur, ein Flüstern hervorzubringen, und selbst das mit Mühe.
Der Krebs wurde unerwartet entdeckt. Zuerst Untersuchungen, dann eine Operation, danach eine endlose Behandlung. Die Ärzte sprachen vorsichtig und machten keine Versprechungen. Jeder Tag nahm ihr Kraft, aber nicht den Willen zu leben. An diesem Willen hielt sie sich mit letzter Kraft fest, selbst als sie nicht mehr aus dem Bett aufstehen konnte.
An diesem Tag lag sie nach einem weiteren schweren Behandlungsgang auf der Intensivstation. Die Monitore piepsten leise, das Licht schnitt in die Augen. Eva blickte an die Decke und versuchte, an nichts zu denken.
Die Tür öffnete sich, und ihr Mann trat ein. Der Mann, mit dem sie fast fünfzehn Jahre ihres Lebens verbracht hatte. Er wirkte gepflegt, auf seinem Gesicht lag eine angespannte Fürsorglichkeit.
„Ich bin nur kurz hier“, sagte er hastig, als hätte er Angst, es sich anders zu überlegen.
„Das sind nur Formalitäten“, sagte er schnell und trat näher. „Wir brauchen deine Zustimmung zur Operation. Ohne Unterschrift werden die Ärzte nichts tun.“
Er sprach selbstsicher und ließ ihr keine Zeit für Fragen oder Zweifel. Er holte die Papiere hervor und bedeckte den oberen Teil des Blattes sorgfältig mit der Hand.
„Hier ist alles standardmäßig“, fuhr er fort. „Ich habe schon alles besprochen. Du musst nur unterschreiben.“
Er legte ihr den Stift in die Finger. Ihre Hand zitterte, sie hatte kaum noch Kraft. Der Mann beugte sich vor und führte vorsichtig ihre Hand, als würde er ihr helfen.
Eva spürte, wie sich in ihr eine seltsame Ruhe ausbreitete. Sie konnte nicht widersprechen und nicht sprechen, aber sie verstand genau, was geschah.
Mit den letzten Kräften zog sie langsam den Stift über das Papier.
Der Mann verfolgte gierig jede Bewegung des Stiftes und stellte sich bereits vor, dass alles entschieden war, dass er frei war. Doch als er sah, was seine Frau tatsächlich geschrieben hatte, veränderte sich sein Gesicht schlagartig.
Er wurde blass und brachte kein einziges Wort hervor… 😱😲
Eva schrieb langsam. Ihre Hand zitterte, die Finger gehorchten ihr kaum, aber sie beeilte sich nicht. Jeden Buchstaben zog sie sorgfältig, als wüsste sie, dass dies jetzt wichtiger war als jede Operation.
Auf dem Papier erschienen die Worte:
„Zustimmung zur Operation — erteile ich nicht. Scheidung — nur über das Gericht.“
Der Mann verstand den Sinn zunächst nicht einmal. Er überflog die Zeilen mechanisch und erwartete eine Unterschrift zu sehen. Dann las er noch einmal. Und noch einmal.
Er richtete sich ruckartig auf. Sein Gesicht spannte sich an, die Lippen wurden weiß. In seinem Kopf wirbelten fieberhaft die Gedanken.
Über das Gericht.
Er wusste genau, was das bedeutete.
Eine Frau in diesem Zustand würde man nicht scheiden. Kein Richter würde diese Entscheidung treffen, solange sie auf der Intensivstation lag, mit einer schweren Diagnose, an Geräte angeschlossen. Solange sie lebte und offiziell als schwer krank galt, würde es keine Scheidung geben.
Der Mann knüllte das Blatt in den Händen zusammen und glättete es dann langsam wieder. Das Papier war nutzlos. Alles, was er leise und schnell hatte durchziehen wollen, war in einem einzigen Moment zerfallen.
Eva schloss die Augen. Sie sah ihren Mann nicht mehr an und erwartete keine Reaktion.


